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blog - Wildwechsel Festival

Festival
Blog 2017

Resümee

 

 

Meine Festival Highlights waren...

 

Die Poesie der „Sprache des Wassers“

Die Besetzung des Basislagers durch das Blog-Team

Die Fragen der Kinder, während „Das kleine Licht bin ich“

Die Nacht-Bar-Schaft und ihre Charaktere

Der Polizeichef aus M

Der Instagram-like Burger

Das Zitat: „Eure Mutter ist weg, ich habe sie im Garten vergraben“ aus Hänsel und Gretel

Der ziemlich seltsame Freund Walter auf der After-Party

Die Theaterwitze – verkatert auf Liegestühlen vor dem TJG

Der Moment, als der Blog kollektiv über den Sieger geschockt gewesen ist

 

Highlights von Ria Lüth

 

Gespräche anstiften

Die Geheime Dramaturgische Gesellschaft im Interview

 

Das Festival ist zu Ende. „Die Geheime Dramaturgische Gesellschaft“ bittet ein letztes Mal zu Kaffee und Kuchen. Die Picknickdecken wurden provisorisch im sogenannten Adlerhorst, der obersten Ebene des Foyers, ausgebreitet. Draußen regnet es. Langsam nehmen die letzten Anwesenden Abschied aus Dresden.

 

Neben mir sitzt Jonas Feller, ein Mitglied der „Geheimen Dramaturgischen Gesellschaft“. Ein letztes Interview im Rückblick auf das Festival.

 

Hallo Jonas! Wo kommt ihr her? Was studiert ihr neben eurer Tätigkeit in der Geheimen Dramaturgischen Gesellschaft?

Vier von uns kommen aus Hildesheim oder haben dort studiert. Alle unterschiedliche Studiengänge, aber im Fachbereich Kulturwissenschaften mit dem Schwerpunkt Theater.

Ich hab szenische Künste studiert und jetzt bin ich im Master „Inszenierung der Künste und der Medien“.

 

Was ist eure Funktion beim Wildwechsel-Festival?

Wir machen vieles. Wir wollen Gespräche anstiften und ermöglichen. Das machen wir auf unterschiedliche Art und Weise. Indem wir Inszenierungsgespräche anbieten und uns selbst die Aufgabe stellen, mit möglichst vielen Menschen zu sprechen, die wir noch nicht kennen.

Diskurse oder Themen, die wir aufschnappen, wollen wir in unser Basislager überführen. Das ist eine Feedback-Installation, sozusagen ein großer Dokumentationsort, an dem sich Gespräche manifestieren. Ein Ort, an dem alles zusammen kommt.

 

Kommunikation liegt bei euch im Fokus. Wie kommt man denn am besten in ein Gespräch? Hast du Empfehlungen?

Mir fällt es sehr schwer mit anderen Leuten ins Gespräch zu kommen. Ich mag es nicht, auf Menschen zuzugehen und dabei das Gefühl zu haben, ich habe keinen Grund dafür. Ich bewundere andere, die das können.

Ich glaube, hilfreich sind ganz einfache, banale Situationen, die man schaffen kann.  Die man auch so hat, aber nicht bewusst setzt. Zum Beispiel gemeinsam essen, die Raucherecke, wartend in der Schlange stehen, ein Lagerfeuer. Da reden Leute ganz automatisch miteinander und kommen zusammen. Und dieses Bewusstsein, einen Raum mit dem Angebot als Gesprächsraum zu schaffen, das ist eine Möglichkeit.

 

Wir sind hier bei einem Kinder- und Jugendfestival. Wie  schafft man Kommunikation mit Kindern und Jugendlichen?

Aus der eigenen Erfahrung: Das Basislager funktioniert auch für Kinder und Jugendliche. Man kann Dinge basteln und malen. Es ist auch immer interessant, wenn man auf Sachen malen darf, die man sonst nicht bemalen darf: Scheiben, Tische, Böden.

Nichtsdestotrotz fällt es mir immer schwer, mit Kindern in ein normales Gespräch zu führen. Weil ich immer das Gefühl habe, ich rede mit einem Kind, ist das ein Unterschied zu anderen Gesprächen und diesen Gedanke unterstelle ich auch dem Kind. Das Beste, um mit Kindern ins Gespräch zu kommen, ist mit ihnen zu arbeiten und sie dazu zu ermächtigen Gespräche zu führen. Das auf einem Festival zu machen, kann dazu führen, dass verschiedene Altersgruppen zusammen kommen.

 

Rückblickend: Wie gut hat die Kommunikation mit Kindern und Jugendlichen hier am Festival geklappt?

Ich habe mit keinem einzigen Kind oder Jugendlichen gesprochen. Das liegt zum einem daran, das hier zum Großteil Fachpublikum anwesend ist. Kinder und Jugendliche sind vor und nach der Vorstellung schnell an- und wieder abgereist. Nicht viele Kinder oder Jugendliche waren Festivalteilnehmende. Die Kinder und Jugendjury waren durchwegs da, ich habe die allerdings fast nicht wahrgenommen. Das könnte auch an mir liegen, aber man könnte allgemein sagen, es hat nicht so gut geklappt.

 

Was wünscht du dir für die Zukunft? Was könnte man verbessern im Kinder- und Jugendtheater?

Es gab zu wenig Austausch zwischen Jung und Alt. Das ist verbesserungswürdig. Ich habe das Gefühl, für den Austausch zwischen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen braucht es noch mehr.

 

Wir haben in den letzten Tagen sowohl politische, als auch sehr abstrakte, reduzierte Inszenierungen gesehen.  Wie viel Politik braucht Kinder- und Jugendtheater?

Ich finde es extrem wichtig auch im Kinder- und Jugendtheater Politik zu verhandeln. Ich glaube, auch die abstrakten Theaterstücke können das. Ich muss nicht aktiv über Politik auf der Bühne reden um Politik zu verhandeln.

 

(Jemand tritt in den Kuchenteller. Lachen.)

 

Jede Inszenierung hat die Chance Geschlechterrollen oder andere Rollenbilder zu hinterfragen, zu dekonstruieren und neu zu gestalten. Man sieht etwas, kann es aufnehmen. Wenn das mit Erfahrungen oder Sehgewohnheiten bricht, schafft das eine Aufmerksamkeit. Dahingehend ist jedes Theaterstück in einer Weise politisch.

 

Das Interview führte Maja Klimt

 

 

NEXT GENERATION

Zwei Stipendiatinnen des Wildwechsel-Festivals im Gespräch

 

Im Gespräch mit Valeska, 27, die in Bremen ihren Master in Theaterpädagogik macht und für die jungen Akteure Bremen arbeitet, und Berit, 21, die szenische Künste in Hildesheim studiert.

 

„Next Generation“, das sind 10 Nachwuchs-Theaterschaffende aus verschiedenen Bereichen der Theaterkunst. Sie sind aus ganz Deutschland angereist um an dem Stipendien-Programm teilzunehmen. Beim Wildwechsel, um Theater zu sehen, zu sehen, welche neuen Formen in den letzten Spielzeiten entstanden sind, sich auszutauschen, anderen jungen und erfahrenen Theatermacher*innen zu begegnen, die Publikumsgespräche mitzuerleben, mitzugestalten, mitzureden und ihre eigenen Kompetenzen zu stärken.

 

Angefangen haben die 10 damit, sich Fragen zu stellen. Berit hat sich mit einem Fragenkomplex zu dem Thema Partizipation beschäftigt, weitgefasst mit der Frage nach Autor*innenschaft. „Wer spricht hier über wen auf dem Festival? Wer wurde eingeladen? Wer darf hier etwas zeigen?“ Dabei tat sich schnell die Frage nach Diversität von Positionen und Akteur*innen auf.

Besonders positiv sei ihr aufgefallen, dass die Theaterakademie einen festen Programmpunkt bildete, dass nicht nur ausgebildete Darsteller*innen hier zu Wort kämen und sprächen. Gleichzeitig kamen neue Fragen auf: „Ich habe mich gerade mit dem Thema Nachbarn und neu zugezogenen Menschen, geflüchteten Menschen, ein bisschen gefragt, wo die Stimmen dieser Menschen auf diesem Festival sind. Ich hatte das Gefühl, dass eher über sie gesprochen wird.“

 

Valeska beschäftige sich dagegen mit dem Vermittlungsanspruch von Kinder- und Jugendtheater und damit, die Schnittstelle von Kunst und Pädagogik zu erforschen, sich zu fragen, was gut funktioniere und was eher nicht.

„Hier auf dem Festival, fand ich es sehr divers. Es gab Inszenierungen, welche eher die Kunstform und weniger Inhalte näherbringen wollen und ein Repertoire an den Qualitäten des Theaters aufzeigen. Gleichzeitig kommt es sehr auf die Ästhetik an. Wenn eine Ästhetik hervorkommend ist, dann polarisiert das und regt zu Diskussionen an.“

 

Gleichberechtigt mit dem Erwachsenentheater sei das Kinder- und Jugendtheater noch nicht, was beide sehr bemängeln. Denn es sei von enormer Bedeutung. Es sei Teil der kulturellen Bildung. „Bildung ist der Grundstein für eine funktionierende Gesellschaft“, meint Valeska. „Es ist total wichtig, dieses Publikum zu sensibilisieren für Ästhetik, Mittel von Theater und für gesellschaftsrelevante Themen.“ Oft sei der Blick auf Theater ein verzerrter, meint sie. Schnell kommen Assoziationen mit dem Kasperletheater auf. Deshalb wäre es unglaublich spannend gewesen, auf dem Festival in Berührung mit der Bandbreite von Kinder- und Jugendtheater zu kommen.

„Es spiegelt sich auch ganz konkret in Finanzierungsfragen wieder. Ein Stigma, welches Kinder- und Jugendtheater angeheftet wird, führt direkt dazu, dass Sparten eingekürzt werden oder das Produktionsbudget sich enorm vom Budget für andere Disziplinen unterscheidet“, erklärt Berit. Trotzdem sieht sie darin auch einen Vorteil, denn es verschaffe der Disziplin mehr Freiheit, als den Schauspielhäusern mit riesigen Theaterkomplexen.

 

Das Jugendtheater müsse dranbleiben und den Weg weitergehen, den es bereits eingeschlagen hat, um sich weiter zu etablieren, Themen und Ästhetiken bringen, welche nicht nur das Zielpublikum ansprechen, sondern alle.

„Ich wünsche mir, dass ein übergreifender Austausch zwischen den Sparten stattfindet“, meint Berit. Valeska stimmt ihr zu. Das Wichtigste sei es, nie die Neugier zu verlieren und nicht aufzuhören, zu hinterfragen. „Die Frage nach dem Warum immer wieder neu in alle Richtungen stellen. Selbstkritisch sein, in alle Richtungen kritisch sein“, erklärt Berit. „Kritik auch anzunehmen“, pflichtet Valeska ihr bei. Die beiden verlassen das Festival mit Optimismus und Freude auf die Zukunft des Kinder- und Jugendtheaters.

 

Text: Ria Lüth

 

Lindas Resümee

 

Es gab viel Kritik untereinander, darüber was man Kindern zumuten darf oder ob man Klischees bedienen darf, ohne sie zu entlarven. Und die ganze Zeit die Frage, was eigentlich Kinder-und Jugendtheater ausmacht.Als ich am letzten Tag "Das kleine Licht bin ich" sehe, verschwinden diese Frage für mich, ich folge einfach den Lichtpunkten und das, was ich dabei fühle, kann Wolfgang Herrndorf besser beschreiben als ich:

 

"Ich bin vielleicht zwei Jahre alt und gerade wach geworden. Die grüne Jalousie ist heruntergelassen, und zwischen den Gitterstäben meines Bettes hindurch sehe ich in die Dämmerung in meinem Zimmer, die aus lauter kleinen roten, grünen und blauen Teilchen besteht, wie bei einem Fernseher, wenn man zu nah rangeht, ein stiller Nebel, in den durch ein pfenniggroßes Loch in der Jalousie hindurch bereits der frühe Morgen hineinflutet. Mein Körper hat genau die gleiche Temperatur und Konsistenz wie seine Umgebung, wie die Bettwäsche, ich bin ein Stück Bettwäsche zwischen anderen Stücken Bettwäsche, durch einen sonderbaren Zufall zu Bewusstsein gekommen, und ich wünsche mir, dass es immer so bleibt. Das ist meine erste Erinnerung an diese Welt."

 

Text: Linda Hou

Sonntag

 

 

8x10

Tag 4 auf dem Wildwechsel-Festival

 

 

Mutmacher und Revolutionäre

Der Wahlkampf der "Next Generation"

 

Während die Bundestagswahl in vollem Gange ist, werfen wir einen Blick auf die Zukunft des Kinder-und Jugendtheaters. 8 spontan gegründete Parteien treten gegeneinander an. Bei ihren Wahlreden wird gestritten, mit Kuchen und Schokolade bestochen, Ästhetik durch Seifenblasen erzeugt und chemische Experimente vorgeführt. Sie werben um die Gunst der Wähler, welche ihre Erst- und Zweitstimmen jeweils einer Partei geben können.

 

Die wichtigsten Momente der Live-Übertragung aus dem tjg.theater junge generation:

„Die Revolutionär*innen – Partei für Revolution & Universalfeminismus“ eröffnen den Wahlkampf. Eine Partei, welche das Verwerfen alter Rollenbilder und Zuschreibungen anfechtet: „Wir scheitern an Strukturen, aber auch an unseren eigenen Köpfen, an unseren Denkstrukturen. Wir schreiben uns irgendwie alle zu – Immer, alle, ständig. Und wir kategorisieren uns und geben das an unsere nächste Generation weiter. Wir denken, wir brauchen das nicht mehr. Wir denken, wir sollten umdenken.“

Aufgeregt macht sich die zweite Rednerin, die Fraktionschefin der „Pro Gefühl“ Partei an das graue Riesenpuzzleschaumstoffmatten-Rednerpult. „Mein Herz klopft und ich lasse das einfach mal zu. Wir haben im Theater in den letzten Jahrzehnten unglaubliche Entwicklungen der performativen Ansätze und auch der Ironisierung. Das sind alles wunderbare Ansätze, aber es gibt die Gefahr, dass wir das Gefühl vergessen.“

Für mehr Gefühl plädieren auch die „Mutmacher*innen“: „Wählen sie uns, um das Mut-Gefühl mit uns zu erfüllen, damit wir gemeinsam in Zukunft sagen können: Ran da!“

Kein Mut zum Aufbruch, sondern die Neuentdeckung des Bekannten, eine alternative Art und Weise sich den Themen zu nähern, will die „NdnN – Neugier durch neue Naivität“, denn sie „steht für romantischen Populismus und für das Neue hinter dem Bekannten. Wir fordern Neugierde durch neue Naivität“. Zum Abschluss lässt der Redner Seifenblasen durch den Raum fliegen.

„Dankeschön, das fand ich schon sehr produktiv“, äußert sich die Vorsitzende der „PP – Produktives Publikum“, nach einem eigens erfragten Applaus: „Ich stehe hier für produktives Publikum, für kritischen Austausch und Mitbestimmung, Intervention, Partizipation und Berufe im Allgemeinen.“

Das alles sei Schwachsinn, man brauche etwas Anderes. Nicht mehr von etwas. Die Ein-Themen-Ein-Mann Partei „Agenda Wildwechsel 2018“ hebt ihre Stimme für mehr Abwesenheit. „Es ist nämlich Zeit für mehr Abwesenheit. Wir sind keine Partei der Inhalte, sondern unsere Sorge gilt der Abwesenheit.“ Schließlich versucht sie durch Bestechung mit Schokolade den Wähler auf seine Seite zu ziehen.

Das hat das „Bündnis 17 – Die Bunten“ nicht nötig. Es kritisiert:„Überall gibt es eigentlich schon alles. Schon mal gesehen, schon mal dagewesen. Auch im Theater und auch im Kinder- und Jugendtheater. Es ist schwierig neue Formate, neue Konzepte zu finden, aber das muss es ja auch gar nicht. Dafür plädiere ich. Für mehr Facetten statt Innovation. Facettenreichtum feiern.“

Den krönenden Abschluss bildet die Partei „Bewegung und Begegnung“, welche mit Hilfe eines Experimentes demonstriert, wie wichtig Bewegung ist. Aus stillem Wasser wird Wasser mit „Kügelchen“.

 

Anschließend haben die Wähler Zeit, zu den Wahlständen zu gehen und sich noch einmal ausführlich zu informieren. In einer nicht geheimen Wahl kann sich schließlich die „PP – Produktives Publikum“ durchsetzen. Trotzdem gehen alle als Sieger hervor. 5%-Hürden gibt es hier nicht.

 

Text: Ria Lüth

 

Das sind sie!

Preisverleihung

 

Gewinner sind eigentlich alle Inszenierungen. Sie wurden aus 38 Bewerbungen ausgewählt, im Programm des Wildwechsel Festivals zu spielen. Aber es kann nur einen Gewinner geben. Naja, eigentlich drei. Am Ende waren es dann aber nur zwei Gewinner.

Drei Jurys hatten drei Preise zu vergeben. Die Kinderjury, die sich die Produktionen "Ein Loch ist meistens rund", "Hänsel und Gretel", "Mein ziemlich seltsamer Freund Walter" und "Das kleine Licht bin ich" angeschaut haben. Die Jugendjury, die bei "M - Eine Stadt sucht einen Mörder", "Beate Uwe Uwe Selfie Klick" und "Die Sprache des Wasser" dabei war. Und die Fachjury, die sich alle sieben eingeladenen Inszenierungen angeschaut hat.

 

Die Jugendjury machte den Auftakt. Ihr Gewinner: "Beate Uwe Uwe Selfie Klick". Sie waren begeistert von den "schier unendlichen Interpretationsmöglichkeiten" und einem Inhalt, der zum Nachdenken anregt und proviziert. Auch die Verwirrung und das Unverständnis, die viele Szenen erzeugen könnten, betonten die Jugendlichen als positiv.

Es war eine beeindruckende Auswahl, wurde doch bei vielen Gesprächen über die Inszenierung angezweifelt, ob sie überhaupt den Titel "Jugendtheater" verdiene oder nicht doch eher für Erwachsene sei. Die Jugendjury scheint diese Zweifel wegzuwischen, als sie der künstlerischen Leiterin des Figurentheater Chemnitz Gundula Hoffmann den Preis überreicht. Diese ist berührt und betont, wie schwer es die Produktion in einer Stadt hat, die eine wachsende rechte Szene beheimatet. Der Preis habe für sie somit auch Signalwirkung, weiter zu machen.

 

Als die Fachjury ihren Gewinner verkündete, ging ein merkliches Raunen durch das Publikum: "Mein ziemlich seltsamer Freund Walter".

"Text, Regie und Spiel verbinden sich in der Inszenierung zu einem dichten Spannungsbogen", hieß es in der Begründung. Das Spiel mit Rollenbildern und Klischees, ohne diese einfach zu bedienen, stelle die gesellschaftskritische Dimension des Textes von Sybille Berg in den Vordergrund. Und auch die Figur des Außerirdischen Walter breche mit unseren Vorstellungen von Fremden. Humorvoll wäre hier eine Inszenierung geschaffen worden, die sich mit keinen plumpen Lösungen zufrieden gäbe.

 

Bevor die Kinderjury ihren Sieger verkündet, trägt sie ihre Bewertungskriterien vor: Gutes Theater müsse spannend, lustig und abwechslungsreich sein. Es solle verständlich für das Publikum, für das es gedacht ist, sein und Gefühle zulassen. Gutes Theater dürfe außerdem niemanden hoffnungslos zurücklassen und dabei überraschend sein.

Hohe Standards, die die jüngste Jury ansetzt. Ihren Gewinner rufen sie im Chor aus: "Mein ziemlich seltsamer Freund Walter". Die Bühne sei toll gewesen und die Inszenierung wäre gleichsam lustig wie spannend. Besonders gefallen hat den Kindern, dass die Schauspieler*innen mehrere Rollen gespielt haben und das es um Freundschaft ging.

 

Die Geheime Dramaturgische Gesellschaft hat alle Zuschauer*innen und Teilnehmende zur Wette aufgefordert: Sie sollten tippen, wen die drei Jurys wählen würden. 27 Personen gaben ihre Tipps ab: Bei der Auswertung kam raus, dass niemand mehr als einen richtigen Tipp hatte (von drei Tipps, Fach-, Kinder-, Jugendjury). Das zeigt, wie gespalten die Meinungen beim Wildwechsel Festival 2017 waren aber auch, wie jede der eingeladenen Inszenierungen das Zeug zum Gewinner hatte.

 

Text: Lasse Scheiba

 

 

Philosophisches Kaffeekränzchen

zu der Inszenierung "Das kleine Licht bin ich"

 

Was habt ihr gesehen?

 
Eine Frau, einen Kontrabass, Papiere. Luftdingsbums. Lichter. Die haben sich bewegt. Einmal sahen die aus wie Sterne.  Zwischendurch sah es aus, als ob die Frau im Wasser gewesen ist. Ein großer roter Fisch und dann war der Fisch ein Luftballon und dann hat die Frau mit dem kleinen Licht den Luftballon gefangen. Der Luftballon hat mich an meine eigene Geburtstagsparty erinnert. Ich fand die Lichter am tollsten. Alle Lichter. Ich fand den Geräuschemacher am faszinierendsten. Ich fand die Sterne am schönsten. Vor der Dunkelheit hatte ich keine Angst.
 
Aufgezeichnet von Linda Hou

 

 

umterschetze Kumstform

Rap im Theata

 

Hali Halo meime libem Freumde!

 

I wolldt nu ma ebend am di  Rappa umd Rapparimen aus dem Imszemierungen „Meim seldsahmer Freumd Wahltaa(g) (lol) umd „Gehmneratiom Iks Üpsilom“  erimmern. Erstmal kann I eu erklärem was eim Rappa isd. Rappa sind Memschen die nit normal  talken könnem. Sie maken das dem wehremd sie singem, damit mam si damm nit so gud verstehem tut vong artikulatiom her. Trotzden umd da mus ma gesayt werdem: Rap isd eime umterschetze Kumstform vong Musictheaterm her. Diesem Mud diesem modern way vong talken her auf 1 Bühme zu bringem, wold I mit disem 1 kurzem laudatio kurz würdigem.

 

Text: Marie-Louise Greiner

 

SAMSTAG

 

 

8x10

Tag 3 auf dem Wildwechsel-Festival

 

 

Wildwechsel Party Soundtrack

 

Psychic Mirrors - midnight special

Vex Ruffin - front

M5K- absolutely real

Africaine 808 - rhythm ...(Wolf Mueller remix)

Beats International - dub be good to me

Onra- long distance

Gang Starr- take it personal

Sola Rosa - turn around

On the House - ride the rhythm

Jeremy Spellacey - crown ruler sound

Doi Oing- good feeling

 

KINDERKLATSCH

zu der Inszenierung "Mein seltsamer Freund Walter"

 

Gustav, 9 „Das war das Beste, was ich bis jetzt gesehen habe. Ich fand es total lustig, als die Aliens mit ihrem Riesenstaubsauger angeflogen sind“

Arthur, 9 „Ich fand es lustig. Vor allem, als Walter die Kreide gegessen hat.“

Marie, 6 „Mir hat es gut gefallen. Mir hat am besten der Anfang gefallen. Ich habe auch so einen guten Freund. Meine Leo, meine Schnuffelleo.“ 

Helin, 10 „Ich fand es sehr gut, weil es um Außerirdische ging. Mir hat es am besten gefallen, als das Raumschiff erschienen ist.“

 

Aufgezeichnet von Ria Lüth

 

 

 

Ich will mitdenken können

Gespräch mit einem Spieler des tjg. Theater Junge Generation

 

Florian ist 12 Jahre alt und wohnt in Dresden. Seit fünf Jahren spielt er Theater und seit zwei Jahren ist er am TJG. Beim Wildwechsel- Festival war er am Bürger*innen-Picknick mit seinem eigenen Filmprojekt beteiligt.

 

Was macht ein gutes Jugendtheaterstück für dich aus?

Ich erkenne ein gutes Jugendstück für mich daran, dass ich während des Stücks ständig anwesend bin. Damit meine ich, dass ich nicht nur dasitze und mir denke, ja das ist ganz schön, sondern das ich ständig mitdenken muss. Ich möchte nicht alles vorgegeben bekommen. Ich finde es auch immer gut, wenn etwas politisches oder kritisches beinhaltet ist, wenn ich dabei was lernen kann. Moderne Stücke gucke ich mir lieber an als zum Beispiel „Hänsel und Gretel“.  Ich brauche auch keine großen und bunten Bühnenbilder. Ich mag Inszenierungen, die mit wenigen Mitteln große Geschichten erzählen!

 

Was ist dir als Spieler wichtig?

Ich finde es nicht so wichtig, dass am Ende ein Theaterstück stehen muss, sondern eher den pädagogischen und spielerischen Teil während der Proben. Ich finde wichtig, dass wir als Spieler selber viel mitentscheiden und mitreden können und auch die Freiheit haben, das zu machen, wofür wir uns interessieren.

 

Was hast du während deiner Zeit am Theater gelernt?

Dadurch das ich ja selber Theater spiele und auch oft Zuschauer bin, habe ich gemerkt, dass ich bei vielen Themen viel besser mitreden und argumentieren kann.

Ich habe viel über Körperbeherrschung gelernt. Ich verstehe, wie das, was ich tue, auf andere wirkt. Das liegt auch an der Arbeit in einem Ensemble. Das ist eben eine völlig andere Auseinandersetzung mit Menschen um dich herum ist.

 

Das Interview führte Marie-Louise Greiner

 

Florian beim Bürger*innen-Picknick des Wildwechsel-Festivals.

Im Zelt 10 hat er mit Besucher*innen Kurzfilme gedreht - seine zweite große Leidenschaft neben dem Theater.

 

 

 

„Wer wegläuft, macht sich schuldig“

aus "Die Sprache des Wassers"

 

Verschrumpelte Zehen

zu der Inszenierung "Die Sprache des Wassers"

 

Liebevoll und ehrlich erzählt  Sylvia Sobottka in ihrer Inszenierung „Die Sprache des Wassers“ die Geschichte von Kasienka, einem 12-jährigen Mädchen, dass sich in ihrer neuen Heimat England auf die Suche nach dem Vater macht. Neue Heimat, verlieben, verlieren, erwachsen werden.

 

Wo soll man zur Ruhe kommen bei so viel Trubel? Wo ist dieser Moment der Stille, der anregt zum Reflektieren und zum Grübeln? Kasienka findet ihn im Wasser, genau genommen im Schwimmbecken in dem zufällig der coole William aus der 7. Klasse auch seine Bahnen zieht.

 

Weich wird einem auch das Herz bei der Darstellung der kleinen Familientragödie, die sich in Kasienkas Leben abspielt. Nachdem ihr „Tata“ sie und ihre Mutter verlässt, folgen sie ihm von Polen aus nach London und versuchen dort ein neues Leben aufzubauen. Während die Mutter permanent auf der Suche nach ihrem Ehemann ist, findet Kasienka ihn schließlich durch die Hilfe des Nachbarn, einem Arzt aus Kenia. Im Leben von Kasienka purzelt alles durcheinander. Sie lebt die Probleme und Sorgen eines Teenagers. Mobbing, der erste Kuss, eine neue Familie. Am Ende wagt sie den Sprung ins kalte Wasser.

 

Sehr berührend zeigen uns die Schauspielerinnen Melina Borcherding und Kinga Schmidt die Facetten eines jungen Mädchens. Nicht naiv, nicht kindisch, sondern ehrlich und mit Feingefühl verteilt sind die Rollen angelegt. Das Publikum kann sich in der inneren Zerrissenheit der Heranwachsenden wiederfinden. Hervorzuheben sind die Choreografien von Hanna Hegenscheidt. Sie lässt die Darstellerinnen über die Bühne tanzen, schweben, schwimmen und kämpfen. Mit natürlichen Bewegungen und Synchronisationen, mit fabelhaften Klängen von Bernhard La Douis entsteht eine sehr gelungene Untermalung des Abends. Die Abläufe  sind abgestimmt, zart und weich.

 

Das Gefühlchaos ist ergreifend. Eine reduzierte Bühne aus quadratischen Matratzen, das klare Sprechen, sanfte Verbindungen von Wort und Handlung sind schlicht, aber effektiv. Man möchte wieder 12 sein, emotionale Achterbahnen durchlaufen und Ausatmen. Eine poetische Vorstellung.

 

Von Maja Klimt

 

 

MEINE WELT FERNAB VON MIR

zu der Inszenierung "Die Sprache des Wassers"

 

Poesie steckt in der Ruhe. In der Ruhe liegt die Kraft. Ich kann laut sein, auch wenn alles in mir schweigt. Den Ton abschalten. Es ist die kleine Oase, die Risse auf der Haut heilt. Man rennt und entschwindet, bis man sich irgendwann gänzlich an sich selbst verloren hat.

Dann bin ich frei. Frei von Schreien und Revolution, frei von Hass und Widersinn.

Frei, treibe ich auf dem Wasser.

 

Text: Ria Lüth

 

Philosophisches Kaffeekränzchen

zu der Inszenierung "Mein ziemlich seltsamer Freund Walter"

 

 
Wie bricht man aus Gewohntem aus?
 
Aussetzen. Das kann heißen: sich etwas aussetzen. Sich der Angst aussetzen. Unsicher sein. Etwas neues kennenlernen. Oder etwas aussetzen. Nicht auf die Uhr schauen. Sich einfach mal was gönnen, zum Beispiel nichts tun. Etwas entleeren. Eine Pause machen. Manche treiben einfach Sport, um den Kopf auszuleeren. Theater und Ausbruch. Passt das zusammen? Wie stellt man eingefahrene Menschen dar? Darf man sie überzeichnen? Was war vor dem Gewohnten? Warum gewöhnt man sich daran, nicht so ganz glücklich zu sein?
 
Aufgezeichnet von Linda Hou
 

FREITAG

 

 

8x10

Tag 2 auf dem Wildwechsel-Festival

 

 

In die Tiefe schauen

Florschütz und Döhnert im Gesprach über "Ein Loch ist meistens rund"

 

Es gibt diese Geschichten, die man unbedingt auf die Bühne bringen will. So ging es mir und meinen Freunden. Wir wollten unbedingt dieses Stück von Beckett machen, auch wenn es zugegebenermaßen vielleicht nicht die beste Idee ist als erstes Beckett inszenieren zu wollen. Aber wenn das Leben absurd ist, dann muss man früh damit anfangen, es irgendwie fassbar zu machen. Wir hatten zwei Schauspieler, die erste sprang uns ab, mit der Begründung, dass es ihr gesundheitlich nicht gut gehe. Der andere sagte irgendwann, dass er diesen Text nicht spielen könne. Es gehe einfach nicht. Wir wussten nicht, was wir sagen sollten. Wie kann man Beckett erklären? Eigentlich nur dadurch, dass man ratlos mit den Achseln zuckt.

 

Zwei Jahre später sehe ich die Inszenierung "Ein Loch ist meistens rund" von Melanie Florschütz und Michael Döhnert. Die Darsteller sind in einem hellen Raum, plötzlich taucht ein schwarzes Loch auf und stört die Routine der beiden. Sachen kommen da raus, einige verschwinden darin. Die ganze Zeit denke ich an mein erstes gescheitertes Theaterprojekt. Die Minimalität der Bewegungen und die Art, wie sie sich bewegen - so hatte ich mir das vorgestellt. Ich muss an die Erzählung aus dem Symposion von Platon denken, die glücklichen Kugelwesen, die von Zeus getrennt werden, weil sie zu glücklich sind und danach immer nach dem Gegenpart suchen, weil sie sich nach der früheren Ganzheit sehnen.

 

Deshalb spreche ich die beiden an und manchmal ist das, was man spürt, gar nicht so verkehrt. Die beiden haben sich 1988 kennengelernt und sind zuerst ein Liebespaar gewesen. Als Melanie ein Praktikum am Theater macht, lernen sie sich zufällig kennen, weil er der beste Freund des Bruders von einer Frau ist, die genau in jenem Theater arbeitete. Er war Musiker in Berlin, sie studierte Figurentheater in Stuttgart. Ihre Abschlussarbeit macht sie in Berlin, um in seiner Nähe zu sein.

 

Melanie hat sich eigentlich nie über Altersgruppen Gedanken gemacht. "Für mich bedeutete Kinderstück damals ab fünf - das hieß für alle. Ich hatte während des Studiums mit zwei Studentinnen ein Stück gemacht - die kleine Hexe - und da hab ich die kleinen Babys beobachtet und dachte, dass das doch nicht so einfach alles unter einen Hut zu kriegen ist. Irgendwie hat es doch etwas zu sagen mit dem Alter. Gleichzeitig habe ich aber auch gedacht: Wieso immer diese Altersgruppen? Man müsste auch mal etwas machen, was alle verstehen. Es war nur so eine Idee. Nach meinem Studium habe ich bei einer Künstlergruppe in Berlin gearbeitet. In diesem Ensemble waren wir eine Mischung aus professionellen Schauspielern, Puppenspielern aber auch Autoren, Filmemachern und Laien. Michael war auch dabei und wurde zunehmend nicht nur gefragt, die Musik zu machen, sondern auch zu spielen. Der Weg vom reinen Musiker zum Spieler war so ein Prozess von zehn, fünfzehn Jahren, den er gemacht hat. Wir haben schon damals immer mal Produktionen zusammen gemacht, aber wir waren keine Gruppe."

 

Zur Gruppe wurden die beiden aus einem Zufall heraus. 2004 hatte Melanie mit einer anderen Kollegin geplant, endlich ein Kinderstück für die ganz kleinen zu machen. Die Kollegin sagte ihr ab, Geld war aber da für die Produktion und deshalb fragte sie Michael. Bis dahin sei sie immer vom Geschichten erzählen, vom Narrativen ausgegangen, erklärt Melanie. "Zweijährigen kannst du nicht eine Stunde lang eine Geschichte erzählen. Das ist ja total langweilig für die. Das muss viel visueller sein. Die Geschichte muss man auch verstehen können ohne Worte. Das war der Beginn unserer Zusammenarbeit, weil wir dabei plötzlich gemerkt haben, dass wir zwei sehr visuelle Menschen sind. Wir haben angefangen über Bilder zu reden und stundenlang welche entwickelt, Monde kreisen lassen, überlegt wie sie sich verwandeln lassen."

Seit 2004 sind sie nun als Florschütz und Döhnert zusammen als Zweiercompagnie unterwegs.

 

Wie sie darauf gekommen sind, ein Stück über Löcher zu machen, will ich wissen. Am Anfang war die Idee aus etwas zweidimensionalem etwas dreidimensionales zu schaffen, sagen die beiden. "Aus etwas flachem sollte etwas tiefes werden", erzählt Melanie. Michael ergänzt: "Ziel war es die Zweidimensionalität einer Zeichnung auf die Bühne zu bringen. Man legt etwas gezeichnetes hin, macht etwas und in dem Moment entsteht die dritte Dimension im Kopf. Auf einer Zeichnung glaubt man das ja auch."

 

Wie die beiden sich gegenseitig beschreiben würden, frage ich. "Ich finde wir ergänzen uns ganz gut", erzählt Melanie. "Wir sind ganz verschieden und das ist gut. Da wo ich zu hektisch bin, da ist er zu ruhig. Da wo ich zu streng bin, ist er zu sanft. Michael kann einfach ganz andere Sachen als ich. Dadurch dass er von der Musik kommt, denkt er sehr rhythmisch." So schneidet sich jeder etwas von dem anderen ab. "Melanie kommt vom Spiel und wir treffen uns im Bildnerischen", antwortet Michael.

 

Melanie, sagt, dass sie eine Universalsprache schaffen wollen, die alle verstehen können. "So eine Art Ursprache", denke ich laut. "Ja stimmt irgendwie", antwortet Melanie. Sie verfolgen diese Sprache und testen aus, wie man ohne Worte in einem visuellen handlungsorientierten Spiel möglichst viel Imagination schaffen kann. "Es ist fast egal, um welches Thema es geht. Ich will einfach nur, dass sich ein Gedankenraum öffnet." Und manchmal muss es nur ein schwarzes Loch sein, um uns an die gemeinsame Ahnungslosigkeit zu erinnern, denke ich.

 

Text: Linda Hou

 

 

Wenn Orte hinter Screens verschwinden

zu der Inszenierung "Meine Fremde Stadt"

 

Ein Videowalk für Kinder? Klingt erstmal spaßig, kann aber auch nicht ganz ungefährlich sein - sowohl für Kinder als auch Erwachsene. Deshalb stehen um das Gelände des Kraftwerks Mitte Ordner in lila Schutzwesten herum, die einen davor bewahren, überfahren zu werden, falls man so vertieft in das Video ist. Denn im realen Leben gibt es auch reale Autos, Fußgänger und andere Hindernisse. Wenn man von außen darauf blickt, ist es schon ein seltsames Szenario. Lauter Menschen, die ein Gummiband um ihren Hals tragen, woran ein Smartphone hängt, auf das sie permanent draufstarren. Zumindest ein Paar von schon fortgeschrittenem Alter starrt skeptisch die Smartphone-Menschen an.

 

In Kleingruppen zieht man los und folgt der zehnjährigen Ella dabei, wie sie die Umgebung erkundet. Sie fühlt sich nicht wohl, weil sie fremd in der Stadt ist. Alles neu, keine Freunde, keine Verwandten, nur die Mutter gibt ihr ein Gefühl von Geborgenheit. Wir lernen durch ihre Augen die Menschen und ihre Geschichten kennen, die ihr über den Weg laufen. Dabei macht sie gute und schlechte Erfahrungen. Zum Beispiel trifft sie den verrückten Pete, der Fotos und Geschichten von anderen Menschen sammelt und später noch auf eine Demonstration mit Menschen im weißen Einheitslook. Wenn man den Blick von seinem Smartphone löst, sieht man nicht mehr die Menschen aus dem Video, dafür aber ihre Gegenstände und den Ort, an dem sie sich im Video befinden. So ist zum Beispiel an einer Station Petes verziertes Fahrrad zu sehen, auf dem er gerade im Video fährt. An einer anderen Station sieht man die weißen Flaggen der Demonstration, während die Demonstrierenden gerade auf dem Smartphone-Bildschirm aggressive Parolen brüllen.

 

Es ist eine schöne Abwechslung nicht im dunklen Zuschauerraum zu sitzen, sondern draußen zu sein und die Umgebung zu erkunden. Gibt es doch immer die Gefahr beim Theater, dass man in seiner eigenen Blase verschwindet. Man folgt Ella gerne auf ihrem Weg durch die Stadt, teilweise vergisst man aufzuschauen, weil man so vertieft in das laufende Video auf seinem Smartphone ist. Genau das ist das Problem an der ganzen Veranstaltung. Das Video stoppt kein einziges Mal, die Orte bekommen alle eine fiktive Bedeutung durch Ellas Erzählung, weshalb die Orte, an denen man ist, austauschbar sein könnten, sie müssten auch gar nicht vorhanden sein, weil man durch die Dynamik des Videos schon in Ellas Welt drin ist. Dabei sind es gerade Orte, die so einen Rundgang ausmachen und das, was an diesen Orten tatsächlich passiert ist.

 

Text: Linda Hou

 

 

Unangenehm gut

Zu der Inszenierung "Beate Uwe Uwe Selfie Klick"

 

Diese skurrile Beate Zschäpe-Puppe. Der „Europastrand“. Wir sind das Volk. Die Silvesternacht in Köln. Wir sind in Dresden.  Man will kaum hinhören, kaum hinsehen. Sie sagen eben nicht Nazis sind scheiße und die armen Flüchtlinge, sie drehen es um und provozieren bis es richtig wehtut. Es ist unangenehm. Theater darf das und wem das zu viel wird, der muss gehen. Es ist keine Inszenierung bei der man sich „gehen lassen“ kann, weil die Diskussion bereits auf der Bühne stattfindet. Man muss sich schon während der Inszenierung entscheiden, ob man annimmt oder ablehnt. Und es war dieser Impuls da, nach vorne zu gehen und mitzureden, das klarzustellen, zu sagen, dass das nicht stimmt und wie sie nur können. Und das obwohl man weiß, dass sie es gerade nur spielen. Auf die berechtigte Frage, ob man das an ein Publikum ab 16 Jahren herantragen kann, lautet die Antwort: ja. Weil sie alt genug sind, sich eine eigene Meinung zu bilden. Weil sie jeden Tag Stellung beziehen müssen, weil die Straßen voll sind mit Wahlplakaten der AfD, weil der Typ in der Bahn eben einen Ausländer bespuckt hat und in der Nachbarschaft gerade ein Flüchtlingsheim gebaut wurde. So direkt und unvermittelt wie diese Konfrontationen im Alltag, kommt die Inszenierung auch daher. Ohne Erklärung, direkt und mitten ins Gesicht. Das mag riskant sein, aber es führt uns vor. Es zeigt uns, dass wir viel zu oft einfach gerne mal weghören und wegsehen. Zwingt dazu, sich mit all den Themen auseinanderzusetzen, zu denen wir zu oft einfach keine Meinung haben oder haben wollen. Ein unangenehm grandioses Stück.
 
Text: Marie-Louise Greiner

 

 

KRASS, WAS SPIELEN WIR HIER EIGENTLICH

Ein Interview mit den Schauspielern der Inszenierung "Beate Uwe Uwe Selfie Klick"

 

Welche Gedanken habt ihr euch vor eurer ersten Vorstellung gemacht? Hattet ihr Angst vor den Reaktionen des Publikums?

 

Tobias Eisenkrämer: Natürlich haben wir uns im Vorfeld Gedanken über die Reaktionen gemacht und ein bisschen Angst schwang auch mit. Wir hatten sogar eigens Sicherheitspersonal bei den ersten Vorstellungen. Man ist eben eine Person der Öffentlichkeit, dein Bild hängt im Foyer mit deinem Namen darunter. Ich habe schon öfter darüber nachgedacht, was wenn dich einer auf der Straße erkennt und dann einfach zuschlägt?

 

Michel Diercks: Das selbe kann ich auch von mir sagen. Ich muss abends immer durch so einen dunklen Park und ja in Chemnitz ist die Neonaziszene schon ziemlich groß, was wenn die mir da einfach mal auflauern. Einmal saßen im Publikum auch zwei junge Männer, die ich für mich, fest als Anhänger der rechten Szene erkannt habe. Ich habe mich von ihnen echt komisch beobachtet gefühlt. Das war mir dann schon unangenehm.

 

Denkt ihr das diese Inszenierung wirklich für junges Publikum ab 16 Jahren gemacht ist?

 

Tobias Eisenkrämer: Schwierige Frage. Unreflektiert kann man das auf keinen Fall so stehen lassen. Man darf den Jugendlichen natürlich auch nicht ihre Mündigkeit absprechen, eine gewisse Verantwortung tragen wir jedoch als Theater. Schade das ein  direktes Nachgespräch hier beim Wildwechsel- Festival nicht stattgefunden hat.

Zu unserem Stück gibt es für Schüler an jedem Vorstellungsabend die Möglichkeit eines Publikumsgespräches im Anschluss, es ist also Platz zum diskutieren. Leider ist die Beteiligung an diesen Gesprächen fast immer sehr gering und gerade die, die  ganz offensichtlich eine Erklärung benötigen würden, um zu verstehen, was sie da gerade gesehen haben, fehlen dann.

 

Michel Diercks: Das Stück ist schon für junge Leute, aber sie brauchen definitiv eine Einführung im Vorfeld  zu dem Thema.

 

Wie habt ihr euch als Schauspieler auf der Bühne gefühlt?

 

Michel Diercks: Ich muss sagen, dass das, was ich sage mich auch teilweise selber provoziert und ich mich daran reibe. Auf der anderen Seite war es interessant, die manipulativen Mechanismen der identitären Bewegung zu enttarnen und damit zu spielen, weil ich selber gemerkt habe wie einfach und zugleich gefährlich deren emotionale Argumentation ist.

 

Tobias Eisenkrämer: Ich habe mir schon manchmal gedacht, krass was spielen wir hier eigentlich.

Die Inszenierung ist für mich als Spieler wahnsinnig ambivalent. Während der Freitagabendvorstellung wurde zum Beispiel relativ viel gelacht und es hat sich für mich zum ersten Mal eher so nach „Tragik- Komödie“ angefühlt. Die erste Szene entscheidet im Prinzip den Verlauf des Abends. Es steht und fällt mit dem Zusammenkommen mit dem Publikum. Ob sie an der Thematik dran sind oder aber komplett aussteigen oder gar abblocken.

 

Das Interview führte Marie-Louise Greiner

 

 

Welche Kriterien gelten?

Die Auswahljury klärt auf

 

AUSWAHL
Inhaltlich ging es darum Inszenierungen zu finden, die ihre Zielgruppe meinen und ansprechen. Was heißt, dass ein Vierjähriger bei einer Inszenierung für 4+ nicht gelangweilt oder überfordert sein darf. Gleichermaßen müssen  gerade Inszenierungen für Jugendliche authentisch sein. „Von Stücken, die vorsprechen, wie ich mit 16 war oder sein soll, die mit Klischees arbeiten, fühlen sich Teenager nicht ernstgenommen“, erklärt Karen Becker. Es stellt sich auch die Frage, ob ein 16-jährige/r theatralisch andere Interessen hat, als jemand der bereits 40 ist, ob sie überhaupt in Inszenierungen gehen würden, die auf 16+ ausgeschrieben sind. Ein besonderes Augenmerk wurde dieses Jahr auf einen tagesaktuellen politischen Bezug gelegt. Jugendlichen und Kindern eine Tür zu öffnen und die Möglichkeit geben, eine eigene Meinung zu bilden. Diese und andere teils schwerwiegenden Themen sollten aber nicht im Fokus, sondern im Stoff eingebettet und locker mitransportiert werden.
 
GENRES
Bei der Sichtung, der über vierzig eingesendeten Bewerbungen, lies sich feststellen, dass die Trennlinien zwischen den einzelnen Theatergenres immer mehr aufweichen. Puppentheater, Sprechtheater und Tanztheater findet man nun immer häufiger in einer einzigen Inszenierungen. Spannende Inszenierungen, so Karen Becker, nutzen die gesamte ihnen zur Verfügung stehende Bandbreite. Es ginge nicht darum unbedingt neu und innovativ zu sein, aber einfach konsequent und qualitativ gut, mit dem was man tut.
 
KINDER- UND JUGENDJURY
Ein wichtiger Aspekt stellt natürlich die Kinder- und Jugendjury dar, da natürlich auch die zu Wort kommen müssen, für die dieses Festival hauptsächlich ist. Über Kinder und Jugendliche in der Auswahljury wurde schon häufiger nachgedacht und diskutiert, leider ließ es sich bisher aus logistischen Problemen und dem engen Zeitfenster im Vorfeld nicht organisieren.
 
Text: Marie-Louise Greiner
 

 

WILDWECHSEL - EINE ENTSCHLEUNIGUNGS-OASE

CHRISTOPH MACHA IM INTERVIEW

 

Wir treffen uns bei den Liegestühlen vor dem tjg. Christoph wirkt entspannt, auch wenn er nach eigenen Angaben nicht einmal die Zeit findet, sich eine Inszenierung anzuschauen.
Christoph ist Dramaturg am TJG und gemeinsam mit Katrin Behrens und Miriam Glöckler leitet er das diesjährige WILDWECHSEL-Festivals.

 

Warum „Wildwechsel“?
Manchmal ist es wichtig sich in dem wahnsinnig anstrengenden Alltag vier Tage Zeit zu nehmen, inne zu halten und sich einmal nur auf das Theater zu fokussieren. Es ist wie eine Entschleunigungs-Oase – wenn man zu Gast ist. Gleichzeitig fördert es den Austausch. Ein Festival schafft es, in kürzester Zeit ein Schlaglicht auf die Region und das Theater, was man da macht, zu werfen. Dadurch wird es attraktiv für Kollegen aus ganz Deutschland anzureisen. Man trifft sich, um miteinander zu kommunizieren, miteinander die Kunst zu teilen, miteinander zu streiten.
 
Gibt es einen großen Unterschied zwischen den Ostdeutschen und Westdeutschen Theatern?
Na klar! Der große Unterschied für die Kinder- und Jugendtheater ist, dass die Theater in Ostdeutschland einen viel größeren Stellenwert in der Gesellschaft haben. Das hat damit zu tun, dass die Sowjetunion in der Zeit der Besetzung den Auftrag gegeben hatte, Kinder- und Jugendtheater zu gründen, um Kinder und Jugendliche zu bilden. Im Osten sind daher die ältesten Kinder- und Jugendtheater angesiedelt. Das „Theater an der Parkaue“ in Berlin, das „TJG“ sowie das „Theater der Jungen Welt“ in Leipzig sind alle um die 70 Jahre alt. Im Westen geht es erst in den 70ern los.
 
Was muss und soll Kinder- und Jugendtheater?
Im ersten Sinne gut unterhalten, im zweiten Sinne bilden und im dritten Sinne modern sein und sich mit der Gesellschaft und den gesellschaftlichen Dimensionen beschäftigen.
 
Was sollte Kinder- und Jungendtheater in Zukunft verbessern?
Man sollte sich noch mehr mit den Inhalten der ganz konkreten Orte auseinanderzusetzen. Welche Probleme haben Kinder und Jugendliche in Dresden, welche in Berlin. Gleichzeitig werden Live-Momente in der Gesellschaft immer weniger und Theater ist ein Ort, der diese kreiert. Theater fördert die Kommunikation über Inhalte. Eine Art Entschleunigungs-Oase in einer Welt, die immer schneller funktioniert.
 
Das Interview führte Ria Lüth.

 

"LIEBER VERRÜCKT, ABER SATT!"

aus "Hänsel und Gretel"

 

 

DAS HERZ DER ZUSCHAUER ERREICHEN

Ein Gespräch mit der Kinderjury

Die Kinderjury, das sind Florin (7), Frida (8), Karlotta (10), Leonore (9), Magnus (9) und Theo (12). Gemeinsam mit der Dramaturgin Ulrike Leßmann schauen sie sich die Inszenierungen an und verleihen am Schluss ihrem Favoriten den Preis der Kinderjury. Dafür haben sie eine ganze Liste mit Kriterien erstellt, was „gutes Theater“ leisten muss. Theater? Was Theater ist, das wissen die sechs ganz genau:

 

Theater ist was, was Leute unterhalten soll. Da kommen Leute auf eine Bühne und spielen was vor. Es ist lustig, traurig und erzählt eine Geschichte mit dem Körper und der Sprache.

 

Theater ist, wenn Leute auf einem Podest oder auch in einer Menschenmenge stehen und mit ihren eigenen Emotionen etwas vorspielen. Das aber nach einem bestimmten Ablaufplan. Und es gibt nicht nur Sprache. Pantomime zum Beispiel funktioniert ohne Sprache. Und bei der Oper wird alles gesungen.

 

Es gibt aber noch mehr: Wenn jemand zum Theater geht und sich etwas anschauen möchte, sollen die Leute auf der Bühne versuchen, das Herz der Zuschauer zu erreichen. Gefühle zu erwecken! Immer Spannung und es immer so zu gestalten, dass es unberechenbar ist.

 

Zuschauer sind auch wichtig. Ohne Zuschauer bringt das Ganze gar nichts. Wenn du was spielst, was für Leute gedacht ist, die sich damit bespaßen wollen und dadurch auch was haben wollen, woran sie sich festklammern können, weil sie traurig sind oder so, dann bringt es einfach nichts, wenn niemand zusieht.

 

Aufgezeichnet von Ria Lüth und Lasse Scheiba

Was waren eure Lieblingsszenen bisher? Die Kinderjury zeigt es uns:

 

 

GAMING IST DAS NEUE THEATER

zur "2. Dresdner Zukunftskonferenz"

 
Menschen irren verzweifelt durch eine alte Fabriklandschaft. Nackte Kabel ragen aus dem rostigen Putz, Menschen starren auf ihre leuchtenden Smartphones. Roboter, Arbeit, Staub, poröse Kreidezeichen.

 
„Papa, wo ist denn jetzt der Hauptkranschalter?“
Actionbound heißt das Zauberwort. Oder auch wie Papa sagen würde: Schnitzeljagd. Modernes Theater als digitale Schnitzeljagd? Das Konzept der 2. Dresdner Zukunftskonferenz: ca. 40 Menschen wuseln als Doppelpack mit Kopfhörern und Smartphones über, durch und hinter das alte Fabrikgelände des heutigen TJG und suchen QR-Codes. Einmal gefunden und gescannt, kann die eigentliche Geschichte losgehen. Kinder aus der 4. Klasse der 25. Grundschule Dresden haben sich mit der Historie des Ortes und Zeitzeugen auseinandergesetzt und diese Erfahrungen mit Video, Tonschnitt und Aktionen verbunden. Angestöpselt an die App, die man sich vorher installiert, trifft man sich vor dem Foyer, drückt auf Start und macht sich zu Fuß auf den Weg, alle QR-Code zu finden und abzusichern. Eine Belohnung und ein Informationsvideo pro Station bekommt man sofort verbucht. Fotos und GPS helfen bei der Suche. Zwischendurch partizipative Fragen auf dem Bildschirm: Wie funktionieren alte Maschinen? Was würden Roboter niemals können? Was ist für dich Arbeit? Eigene Fotos, Feedback, 100 Pseudo-Dollar als Belohnung. Alles mit dabei.
 
An sich ein neuartiges cooles Konzept. Die Stunde ist schnell durch, ich flitze immer schneller durch die alten Gassen des Geländes, spüre die Detektivin in mir. Am Ende: 4. Platz. Puh, geschafft. Die letzten eifrigen Eltern scannen sich noch durch Sphären des Kraftwerks, große Kinderaugen finden in der letzten Ecke versteckte Codes. Was bleibt: Eine Kreide, bessere Orientierung, kein Akku mehr.
 
Was mir nicht klar wird: Wo liegt bei diesem Konzept der Fokus? Ehemalige Mitarbeiter*innen aus dem alten Kraftwerk Mitte, dem ehemaliges Heizkraftwerk das 1994 geschlossen wurde, erzählen berührende und detailreiche Geschichten. Doch die treten etwas in den Hintergrund vor lauter Spielwut und Zockerlaune. Interaktives Gaming oder spielerische Erkundungstour? Selber testen!
 
Text: Maja Klimt
 

 

KINDERKLATSCH

zu der Inszenierung Hänsel und Gretel

 

Mir hat gefallen…

 

Lea, 9 Jahre: Der Moment als Hänsel und Gretel wieder zurück nach Hause zu ihrem Vater laufen.

Lara, 8 Jahre: Das Feuerwerk und die Hexe.

Isabella, 7 Jahre: Das mit dem Feuer hat mich so erschrocken.

Lili, 8 Jahre: Als die Hexe verbrannt wurde.

 

Aufgezeichnet von Linda Hou

 

 

PHILOSOPHISCHES KAFFEEKRÄNZCHEN

zu der Inszenierung "Ein Loch ist meistens rund"

 

WOZU BRAUCHT MAN LÖCHER?

 

Zum Stopfen, zum Verstecken, um Neues zu entdecken, die Angst vorm reinfallen kennenzulernen, die Ränder zu untersuchen, auf die andere Seite zu kommen, Raum zum Selbstdenken zu haben, um aus dem letzten Loch pfeifen zu können.

 

Aufgezeichnet von Linda Hou

 

DONNERSTAG

 

 

10x10

Tag 1 auf dem Wildwechsel-Festival

 

 

"Wir haben ganz Magdeburg mitgenommen"

zu der Inszenierung "M - Eine Stadt sucht einen Mörder"

 

Wir fangen Lennart Morgenstern bei seiner Rauchpause vor dem TJG ab. Seit einer halben Stunde sind wir auf der Suche nach den Darstellern aus „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“. Auf Grund des aufwendigen Make-Ups sind die Darsteller in Natur schlecht zu erkennen.

 

Das Lennart Morgenstern heute auf der Bühne steht, sei eher Zufall gewesen. Eigentlich wollte er einmal Lehrer werden, meint er verschmitzt. Kurz vor dem Staatsexamen dann ein Angebot. Lennart schmiss das Studium, um an der Ernst-Busch in Berlin Puppentheater zu studieren – so wie auch viele seiner Kollegen. Deshalb  seien sie schon ein gut eingespieltes Team, was dem Zuschauer nicht verborgen bleibt. Seit 2013 ist er festes Ensemble-Mitglied am Puppentheater Magdeburg, doch     „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ ist ein Einzelfall, denn das ganze Ensemble ist mit von der Partie. Um eine hohe Variabilität zu erreichen, werden meist die zwei Bühnen des Theaters parallel bespielt. „Wir haben ganz Magdeburg mitgenommen“, meint Lennart ironisch. Für das Wochenende wurde ein Gastspiel eingeladen, da die meisten Mitarbeiter des Puppentheaters mit nach Dresden gereist sind.  

Was denn der Unterschied zwischen Puppentheater und Schauspiel sei? Puppentheater arbeitet mehr mit verschiedensten Materialien und hoher Abstraktion, was im „Fleischtheater“ (wie Lennart klassisches Schauspiel nennt) eher selten der Fall sei. „Es sind viele lustige, kranke Rollen dabei“. Die Inszenierung ist Beleg dafür. Eigentlich, gehöre das Stück nicht direkt in die Sparte „Jugendtheater“. Eher ein Klassiker mit interessantem Handlungsstrang ab 16. Die Suche nach dem Mörder wirft auch die Frage auf, ob nicht jeder Gut und Böse zugleich in sich trägt. „Jeder hat das Potential das zu tun. Er muss nicht, aber es kann durchaus passieren.“ In der Inszenierung sei es jedoch etwas anderes, denn es zeichnet das Bild eines eindeutig pädophilen Menschen. Vor allem der Schluss rege zum Nachdenken an. „Wenn der Mörder unter Zwang steht, darf man ihn dann einfach hinrichten? Pädophilie ist eine Krankheit und auch wahnsinnig traurig.“ Auf die Frage, ob es die Todesstrafe für den Mörder geben sollte, antwortet Lennart mit einem klaren Nein. Es mangele nur an richtigen Lösungen.

 

Text: Ria Lüth, Maja Klimt

 

 

„Ich weiß nicht, welche Art von Leute ich bin. Früher wusste ich, wer ich bin. Zu Hause war ich einfach ich“

aus "Der Junge mit dem Koffer"

 

Sanft aber eindringlich

zu der Inszenierung "Der Junge mit dem Koffer"

 

Was ist zuhause? Warum verlassen Menschen ihr zuhause? Ist es so schlimm da wo die herkommen und ist es so gut hier?

 

Theater wird heute immer politischer und doch kommt das Kinderstück „Der Junge mit dem Koffer“ ganz ohne konkrete politische Aspekte und Fakten aus. Und das ist auch gut so, da es eben ein Kinderstück ist und man auch ohne selbiges erklären kann, warum Menschen ihr Zuhause verlassen. Es beginnt mit dem Kinderlied „Heute hier morgen dort“, ein Lied, das fast jeder mitsingen kann und im Laufe der Inszenierung plötzliche eine ganz andere Bedeutung bekommt.  Puppen, die erzählen, zwar niedlich aussehen, sich aber dann beispielsweise als Menschenhändler entpuppen. Der lustige Mann mit der Glitzerjacke, der erst singt und viel lacht und dann auf einmal gar nichtmehr lacht. Und dann ist es auch keine „Reise“ mehr, sondern eine Flucht. Der kleine Naz auf einmal ein Flüchtling. Sanft, aber eindringlich könnte man den Stil der Erzählweise beschreiben, in dem abwechselnd drei Darsteller die Geschichte des 11-jährigen  Naz erzählen.


Es ist kein trauriges oder ernstes Stück. Es ist eher leicht und lässt Raum zum Lachen. Und das ist wichtig. Trotzdem ist es manchmal zu einfach, die Lösung liegt oft zu nah, die Flucht ist manchmal zu abenteuerlich-spannend und die Protagonisten manchmal einfach zu fröhlich.


Und vielleicht ist das nicht ganz korrekt. Aber es ist beeindruckend, dass die Dringlichkeit erkannt wurde, einem wirklich jungen Publikum ab 10 Jahren, die Themen Flucht, Krieg und Angst näher zu bringen. In einer Art und Weise in der sie oder wir im Alltag nie damit konfrontiert werden und vielleicht hätte wir uns alle so eine behutsame Heranführung an die Thematik gewünscht. Ich stelle mir vor wie Kinder aus dem Publikum am nächsten Tag in die Schule gehen und den anderen erklären, warum Menschen ihr zuhause verlassen, was ein Flüchtling ist und wie gefährlich und schwer so eine Flucht ist. Wenn sie das genauso erklären, wie sie es in der Inszenierung gezeigt bekommen haben, kann man sich sicher sein, dass die Welt wieder ein kleines Stück besser geworden ist.

 

Text: Marie-Louise Greiner

 

 

„Großstadtflair hat eines immer noch nicht, für das Böse ein Gesicht“

aus "M - Eine Stadt sucht einen Mörder"

 

Der Seele Gesicht so blass

zu der Inszenierung "M - Eine Stadt sucht einen Mörder"


Das Pfeifen und Raunen des Windes mischt sich mit den Schreien von Kindernamen und Nebel. Staub und Stofffetzen wirbeln durch die Nacht und eine verschrobene Gestalt macht sich auf den Weg, um einen weiteren Kreidestrich für einen weiteren Kindermord zu ziehen. Wunderschön bitterböse kommt die Inszenierung „M - Eine Stadt sucht einen Mörder“ des Magdeburger Puppentheaters daher. Das gesamte Ensemble des Theaters steht auf der Bühne und beweist auf saucoole Art sein beeindruckendes Können. Eine Mischung aus Berliner Kabarett, Puppentheater und Krimi vom allerfeinsten.

„Eine Seele im Gras und der Seele Gesicht so blass“, besingt eine Frau den Tod der 7-jährigen Annie Beckmann. Seit 8 Monaten terrorisiert ein Kinderschänder die Stadt Berlin und wirbelt die Gesellschaft in all ihren Facetten auf.

In einem Look, angelehnt an die 20er Jahre, berlinern sich die bleichen Figuren der Unterwelt einen Weg durch die schaurige Szenerie, welche mit einem kastenförmigen Bühnenaufbau aus Paletten und Plastikfetzen, eingetaucht in düstere Farben und grelles türkises und pinkes Licht, an so manch eine Castorf Inszenierung erinnert. Hierbei werden Masken, Puppen, zweckentfremdeten OH-Projektoren und Bilder zum Leben erweckt. Darüber hinaus zeugt auch die eigens komponierte Musik von enormer Kreativität.

Am Ende entlarvt die gepfiffene Melodie von Edvard Grieg Halle des Bergkönigs den Mörder, welcher sich als Menschgroße Puppe herausstellt und sich mit eingespieltem Originalgeständnis aus dem 1931 erschienen Film als schuldig bekennt. Ein genialer Kniff, denn anders als in Fritz Lang’s Vorlage bleibt er bis zum Ende unsichtbar und lässt damit Freiraum für das eigentliche Augenmerk des Stückes.
 
Ob es der Minister ist, welcher sich um seine Wahlergebnisse sorgt, die Ganoven und Kleinkriminellen, welche kurzerhand die Bettler mobilisieren, um auf eigene Faust den Kindermörder zu fangen, da er ihnen das Geschäft versaut oder die sensationsgeilen Bürger, welche sich in einer urkomischen Szene über die Schriftgröße eines Zeitungsartikels echauffieren - der Menschen Laster werden mit bitterer Ehrlichkeit und unheimlichen schwarzem Humor herausgefiltert. „Die Grenze zwischen Gut und Böse verläuft mitten durch das menschliche Herz und wer wäre schon bereit einen Teil seines eigenen Herzens zu zerstören?“
 
Vor allem aber brilliert „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ durch das herausragende Zusammenspiel aller Beteiligten. Mit Witz und Charme wird spontan auf das Publikum reagiert und das Ensemble harmonisiert unglaublich gut. Selten sieht man eine Inszenierung bei der so viel Herz und Lust am Spiel bewiesen wird. 
 
Einziger Wermutstropfen der Inszenierung ist seine Länge. Ein, zwei Handlungsstränge weniger hätten dem Ganzen sehr gut getan und einen runderen Abschluss gebildet. So fühlen sich bestimmte szenische Kniffs ein wenig überstrapaziert an.
 
Dennoch ist und bleibt „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ eine geniale Inszenierung, welche unglaublich viel Spaß macht und die Neugierde auf mehr Puppentheater weckt.
 
Text: Ria Lüth

 

 

THEATER IST THEATER. BUMS, AUS, FERTIG!

zu der Inszenierung "Der Junge mit dem Koffer"

 

Gespräch mit dem Puppenspieler Patrick Borck, tjg. theater junge generation

 

Nachmittags turnte er noch in Adidas-Hose auf der kleinen Bühne des tjg., jetzt sitzt er mir mit einem Glas Rotwein gegenüber. Ein Gespräch über Puppenspiel, Gleichberechtigung und die Zukunft des Kinder- und Jugendtheater. Vorhang auf für Patrick Borck.

 

Der Junge mit dem Koffer
Der Vorschlag für die Inszenierung "Der Junge mit dem Koffer" kam vom Haus. Erste Überlegungen führten zu der Frage:  Was umtreibt die Figuren in dieser Geschichte? Was erleben und erleiden sie? Was bringt sie weiter, was lässt sie scheitern?
 
Irgendwann steht das Konzept: Chorisches Sprechen im Vordergrund und das Verwunderliche: Obwohl die Produktion für die Sparte Puppentheater geplant war, wird fast komplett darauf verzichtet. Der Fokus liegt auf Material, Objekt und Raum. Schauspielerische Elemente und die Textarbeit runden die Inszenierung ab. "Der Geschichte zu vertrauen, das ist wichtig. Und für mich als Puppenspieler war es reizvoll auf diese Weise zu arbeiten.", sagt Partick Borck.
 
Puppenspiel
Er studierte Puppenspielkunst an der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst-Busch" in Berlin.
Was viele nicht wissen: Auch in diesem Studiengang wird man auf schauspielerischen Grundlagen ausgebildet. Konkret: Neben der Auseinandersetzung mit Material und Puppen standen auch Sprech- und Gesangsunterricht, Theoriebildung wie Dramaturgie und praktische Fächer wie Fechten und Reiten auf dem Stundenplan. Auch in der Zukunft freut er sich auf herausfordernde Rollen, sodass er  die Leidenschaft für diesen Beruf nie verliere. "Ich möchte nicht eines Tages aufwachen und auf die Frage 'Warum mache ich das?' keine Antwort mehr kennen. Dann stimmt etwas nicht. Möge es nie dazu kommen." 
 
Er wirkt sehr motiviert. Und dass, obwohl er schon seit 2008 hier am theater junge generation auf der Bühne steht. Er hat demzufolge schon oft beim Kinder-und Jugendtheater mitgearbeitet und kennt die Zielgruppe.
 
Spartentheater
Als ich von ihm wissen will, was die verschiedenen Zielgruppen als Publikum unterscheidet,  lacht er. Bei Kindern sei das etwas Besonderes. "Du kannst ihnen nichts vormachen. Sie reagieren unmittelbar und geben sofort ihre Meinung kund. Wenn sie sich langweilen oder wenn sie etwas begeistert, zeigen sie das sofort." Ganz im Gegensatz zu älteren Zuschauer*innen. Bei denen ist es Konvention sich zurückzuhalten, auch wenn sie vielleicht gerne Stellung beziehen würden.
 
Patrick Borck interessiert in erster Linie aber nicht für wen er spielt. "Da vertraue ich der Regie und Theaterpädagogik, die haben ein Gespür dafür. Ich spiele für Menschen in jedem Alter – einfach für alle, die für Theater brennen."
 
Zukunftswünsche
Für die Zukunft hat er klare Wünsche. "Die Öffentlichkeit registriert oft gar nicht, dass wir als tjg. ein breites Publikum ansprechen.  Wir haben auch einen klassischen Abendspielplan, der Erwachsene ansprechen soll."

Wenn die Besucher*innen weiterhin zugeneigt und aufgeschlossen bleiben und die Wertschätzung für die Aufführungen, hinter denen wochenlange Vorbereitung steht,nicht verloren geht, ist schon viel getan.  Besonders bei dem Thema Gleichberechtigung wird Borck emotional: "Das Kinder-Jugendtheater sollte verdammt nochmal gleichwertig anerkannt sein wie andere Sparten."
 
Angeheitert verkündet er zum Abschied:
"Für mich ist Theater wie eine Torte. Die einen Tortenstücke schmecken nach Erdbeere, andere nach Kiwi, Ananas, Maracuja. Sei nun der Tanz die Kiwi, das Musiktheater die Maracuja, die Erdbeere das Schauspiel und die Ananas das Kinder- und Jugendtheater. Alle Stücke sind gleichwertig, schmecken aber verschieden."


Eine schöne Metapher um Zusammenhalt zwischen den Sparten klar zu machen und zu stärken.
 
Das Gespräch führte Maja Klimt.
 

Auf Zuschauerfang

zu der Inszenierung "M - Eine Stadt sucht einen Mörder"

 

Paul, Regisseur und Schauspieler aus England.

 

Warum bist Du hier?

Ich habe Theater für Kinder über 40, vielleicht 50 Jahre gemacht. Ich bin einige Male in Deutschland gewesen, ich mag deutsches Kindertheater. Deshalb habe ich beschlossen hierherzukommen, um einen anderen Blick auf Kindertheater zu bekommen. Das Theater in Ostdeutschland hat eine besondere Tradition.

 

Hat die Inszenierung deine Erwartungen übertroffen?

Nein, denn ich kenne die Cabaret-Tradition aus Deutschland und sie haben es sehr gut gemacht.

 

Was hat Dich am meisten überrascht?

Das Puppenspiel hat mich beeindruckt, besonders der Politiker und der Polizeimeister. Die Darsteller haben eine Bandbreite an Stilen durchgespielt. Sie sind sehr gut und es war schön anzusehen. Aber es war zu lang.  Ein Drittel davon hätte gereicht. In England sagen wir dazu: The work is really busy. Ein paar Menschen aus dem Publikum sind früher gegangen, weil es zu lang war.

 

War es ein Stück für junge Menschen?

Nein, ich denke nicht. Der Spirit des Stückes war für junge Menschen, aber nicht die Geschichte. Es ist ein Konzept für Erwachsene. Sie reden über Politik und all diese Dinge.  Für junge Menschen wäre es geeignet ab 16 oder 18, aber nur wenn sie schon Erfahrung mit Theater haben. Wenn ich zwei 14-jährige von der Berufsschule hierher mitnehmen würde, wäre es zu viel.

 

Recht oder Moral? Was ist Dein Urteil?

Ich weiß es nicht, das ist eine sehr schwere philosophische Frage.

 

Was ist die Moral der Geschichte?

Echtes Leben ist sehr kompliziert.

 

Text: Linda Hou

 

 

 

Wildwechsel 2017. Was uns erwartet.

Kinder- und Jugendtheater erkennt man meistens daran, dass unter dem Titel der Inszenierung irgendwo eine Altersangabe steht. Ab 8, ab 16, ab 3. Das gibt es beim "Theater für Erwachsene" nicht. Obwohl es manchmal ganz wünschenswert wäre. Oft denkt man nach einer Inszenierung, da hätte gerne "ab 65" nebenstehen können. Tut es aber nicht. Die Altersangaben bleiben dem Theater für ein junges Publikum vorbehalten.

 

Aber was bedeuten diese Altersangaben eigentlich? Haben sie einen Einfluss: auf Ästhetik, Schauspiel, Thematik?

 

In der Filmbranche ist teilweise recht klar geregelt, welche Fakten für die Alterseinschränkungen gebraucht werden: Sexszenen, Blut oder Fäkalsprache. Und manch Minderjähriger musste schon bittere Enttäuschungen erleben, weil ihn das Kinopersonal den Zutritt zu SAW 9 oder Resident Evil verwährte.

 

Aber wurde schon mal jemand an der Theaterkasse weggeschickt? Wohl eher nicht. Wieso? Traut man Theater nicht die gleiche verstörende Wirkung zu, wie Filmen? Oder gibt es einfach weniger Minderjährige, die unbedingt versuchen, sich in eine Theaterinszenierung ab 16 zu schleichen?

 

Außerdem: Ab wann ist eine Inszenierung ab 16 und wer legt das fest? Saßen die da die ganze Zeit in den Proben und wenn die Schauspieler mal was mit Kunstblut machten, sagte der Regisseur oder die Regisseurin: Sorry Leute, wir sind hier nicht im Theater für Erwachsene!? Oder probt man erst und überlegt dann, ab wieviel Jahren das ist? "Hänsel und Gretel" proben und am Ende merken, dass alle voller Kunstblut sind und andauernd nackt: Kindermärchen ab 18!?

Vielleicht finden wir es raus beim Wildwechsel-Festival 2017. Wir werden mal nachfragen, wie das ablief mit den Alterempfehlungen.

 

Sicher ist in jedem Fall eines: Hier findet von Donnerstag bis Sonntag Theater für ein junges Publikum statt. Schließlich gibt es ja unter jedem Titel den kleinen Zusatz "Ab ...". Wir vom Blog freuen uns aber, wenn sich auch ein paar jüngere versuchen reinzuschleichen. Dann habt ihr danach wenigstens eine Ausrede, wenn ihr die Inszenierung nicht verstanden habt: wahrscheinlich zu viel Fäkalsprache.