Das kreative Klassenzimmer

„Alle mal aufstehen, die heute schon mindestens einmal nass geworden sind.“

„Augen zu! Wie viele Lampen gibt es in diesem Raum?“

„Setzt euch auf die Tische.“

„Schreibt auf, was die schlimmste Person wäre, die jetzt durch die Tür kommen könnte.“

 

Im Klassenzimmer des LEB in Parchim werden Theaterpädagog*innen zu ihren eigenen Schülern. In diesem Forum wird unter Experten der Aufstand, der Regelverstoß geprobt und zwar leibhaftig. Es gilt nämlich, das Klassenzimmer als alltäglichen Raum mit all seinen Regeln und Vorschriften auf den Kopf zu stellen und eine Atmosphäre zu schaffen, in der Kinder und Jugendliche kreativ werden und Theater machen können.

Zuerst wird das Stillsitzen auf dem Stuhl als Grundregel des Unterrichts abgeschafft. Kaum verlassen die Teilnehmer*innen die starre Haltung, werden auch gleich die Sinne angesprochen. Wie anders ein Klassenraum wirken kann, wird er nicht mehr aus der blockierten Perspektive hinter dem Tisch, sondern auf ihm sitzend angeschaut, das ist auch für die Profis erstaunlich. Man habe es schließlich mit Menschen zu tun, die nicht in der Mitte aufhören. Dass diese Veränderung sich auf den Unterricht, der dann im herkömmlichen Sinne schon gar nicht mehr gemeint ist, auswirken kann, wird jedem Teilnehmer schnell bewusst. Wieso hängt eigentlich die Sitzhaltung so sehr mit der passiven Aufnahme von Information zusammen?

Theater geht ganz anders. Hier wird gestaunt, erlebt, bewegt. Störfaktoren aller Art, die einer künstlerisch-produktiven Stimmung im Wege stehen können, werden in diesem Forum mit den Theaterpädagoginnen Anne-Kathrin Holz, Tina Koball und ihrer Kollegin Nele Tippelmann besprochen und erprobt.

Fazit: Wenngleich manch anderer Raum mehr Bühne sein mag, gilt es, das Klassenzimmer zu verwandeln, Positionen zu ändern, Regeln zu brechen, frontal umzukehren, Dinge umzubenennen, Perspektiven zu wechseln und die Kunst einziehen zu lassen.